Kohls Trauerakt in Straßburg gerät zur Polit-Posse

Glückliche und trauernde Kohlfamilie.

Das hat der „Enkel“ Konrad Adenauers wahrlich nicht verdient. Vergegenwärtigt man sich das pompöse bayerische Staatsbegräbnis für Franz Josef Strauß, so erscheint der „europäische“ Staatsakt im undemokratisch gewählten Pseudoparlament in Straßburg für Helmut Kohl geradezu beschämend. Jean-Claude Juncker nannte diese Posse einen „europäischen Staatsakt“, obwohl die EU kein Staat, sondern eine Konglomerat von noch 28 souveränen Nationalstaaten ist. Wenn überhaupt, so hätte Kohl in einer würdigeren Zeremonie von den 27 Staats- und Regierungschefs, plus Theresa May, in Brüssel geehrt werden müssen.

Kohl war zuerst 16 Jahre lang deutscher Bundeskanzler, daneben war er auch ein Verfechter der europäischen Idee. Gegen alle Widerstände der Witwe und Juncker hätte die Bundesregierung auf einem offiziellen Staatsakt bestehen müssen. Der Bundeskanzler gehört nicht nur einer Witwe, schon gar nicht der EU, selbst seinen Söhnen verweigert diese einen persönlichen Abschied in deren Elternhaus, sondern zuerst dem deutschen Volk, wie immer man zu Kohl politisch gestanden haben mag. Dass die Witwe sich nicht die Heuchelei von Angela Merkel anhören wollte, ist zwar mehr als verständlich, war sie es doch im Verein mit Schäuble, die ihn politisch gemeuchelt haben. 

Angeblich hat der französische Protokollchef die zündende Idee, diese Polit-Posse mit dem Begriff „Ceremony of Honour“ zu versehen.  Neben der Europaflagge soll der Sarg im Europaparlament aufgestellt werden. Hoffentlich vergisst der Protokollchef nicht die Deutschlandflagge. Zu dieser surrealen Veranstaltung sollten wenigstens die Söhne nicht erscheinen. Wenn die Witwe Anstand hat, bleibt sie dieser Posse auch fern.

Verwunderung und Kopfschütteln ruft schon die Rednerliste hervor. So sollen Bill Clinton, Emmanuel Macron, Jean-Claude Juncker, Angela Merkel, Donald Tusk und EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani reden. Warum lässt man nicht den CDU-Funktionär Elmar Brok, der sich seit Beginn (1980) Meriten im EP ersessen hat, oder Daniel Cohn-Bendit und die ganze unbedeutende Riege der EPs aufmarschieren? Ehre, wem Ehre gebührt!

Dass man gerade Bill Clinton eingeladen hat, der zusammen mit Schröder und Fischer den völkerrechtswidrigen Krieg gegen Serbien vom Zaune gebrochen hat und er darüber hinaus zu den dubiosesten Figuren der US-amerikanischen Politiker Klasse gehört, zeigt, wie perfide dieses ganze Schauspiel ist. Was haben Macron, Tusk oder Tajani mit Kohl zu tun? Sie kannten ihn vermutlich nicht persönlich. Zu Juncker und Merkel erübrigt sich jeder Kommentar.

Hoffentlich gestaltet sich die Trauerfeier und Totenmesse im Dom zu Speyer wenigsten würdig. Dort sollten dann die von Merkel oder der Witwe geexten Persönlichkeiten und Angehörigen ihre Reden halten, damit dem am längsten amtierenden deutschen Bundeskanzler endlich die Ehre zu Teil wird, die ihm gebührt.

 

2 Gedanken zu „Kohls Trauerakt in Straßburg gerät zur Polit-Posse

  1. Manfred Mathias

    Lieber Lehrer Ludwig!
    In Sachen KOHLBEERDIGUNG hast Du den nervlichen Nagel der gesamten Republik und Helmut auch auf den Kopf getroffen, wie der nagelnde bundesrepublikanische Zimmermann so non chelance zu sagen pflegt? Mach nur weiter so!

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    1. Manfred Mathias

      Alfred Dregger, Walter Leisler-Kiep, Georg Kiesinger, Filbinger, den Papst und Moussolini hast Du auf Deiner Rednerliste im Speyerer Dom vergessen; ach Barschel auch noch.
      Bussi. Manni.

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