Glückwunsch an Christoph Glanz für Platz vier der Top „Antisemiten“!

Aus ehemaligen Nazi-Jägern sind „Antisemiten“-Jäger geworden!

Alle Jahre wieder veröffentlicht das rechtsextreme Simon-Wiesenthal-Zentrum (SWC)  in Los Angeles seine shit list der zehn berüchtigtsten „Antisemiten„. 2016 schaffte es wieder einmal ein Deutscher, der Lehrer und Aktivist Christoph Glanz, auf Platz vier dieser  grotesken Liste. Jeder, der es auf diese Liste schafft mit Ausnahme von Richard Spencer, sollte sich geehrt fühlen, zeigt es doch, wie geistesgestört die ganze Sache ist. Der einzige, der berechtigter Weise sich auf dieser Liste befindet, ist der US-amerikanische Nazi Spencer. In Deutschland hatten bereits Jakob Augstein und Günter Grass die Ehre, vom SWC verleumdet zu werden.

Auf der aktuellen Liste fehlt der jüngste Fall von „Antisemitismus“, und zwar Präsident Obamas Weigerung, die so genannte anti-Israel Resolution im UN-Sicherheitsrat mit einem Veto zu belegen. Sonst befinden sich auf der Liste ehrbare Persönlichkeiten und Institutionen, die sich keines anderen „Verbrechens“ schuldig gemacht haben, als die rassistische und menschenverachtende Politik des israelischen Besatzungsregimes zu kritisieren und die verlangen, dass Waren aus den illegalen Siedlungen, die im besetzten Palästina liegen, boykottiert werden sollen. Eine überaus ehrenwerte, mutige  zivilgesellschaftliche Forderung. 

Vom SWC wird die BDS-Bewegung als „antisemitisch“ stigmatisiert, wohlwissend, dass Antisemitismus eine Form des Rassismus ist, der Juden allein wegen ihres Jude seins diskriminiert. Keiner von diesen vom SWC Verunglimpften hat dies jemals getan.

Das SWC sollte einmal über eine alternative Liste der Top Antisemiten nachdenken und sich selbst an die Spitze der Liste setzen. Nicht die BDS-Bewegung bestreitet das Existenzrecht des Staates Israel oder seine Legitimität, sondern die israelische Regierung und viele ihr angehörenden Minister untergraben die Legitimität Israels durch ihre rassistische und kolonialistische Expansions- und Siedlungspolitik.

Der Friedensaktivist Uri Avnery hat in dem Artikel „Die Weisen von Anti-Zion“ vom 10. Augst 2010 in der Tageszeitung „Junge Welt“ drei Minister der damaligen Netanyahu-Regierung vorgestellt, die die Legitimität des Staates Israel untergraben, und zwar der Außen-, der Verteidigungs- und der Innenminister. „Die „Protokolle der Weisen von Anti-Zion“ werden in diesen Tagen von Netanyahu und seinen Kumpels verfasst.“ Avnerys Worte haben an Aktualität nichts eingebüßt.

Nimmt man einige Mitglieder der augenblicklichen Netanyahu-Regierung unter die Lupe, so könnte das SWC eine aktualisierte Version der Top zehn Minister Israels erstellen, die zur Delegitimierung des Landes beitragen, die nach der verquasten  Logik des SWC als „Antisemiten“ qualifiziert werden können wie weiland die BDS-Kritiker oder Kritiker der israelischen Regierungspolitik allgemein. Potenzielle Kandidaten auf dieser Liste könnten sein:

MP und Außenminister Benyamin Netanyahu

Verteidigungsminister Avigdor Liberman

Bildungs- und Diasporaminister Naftali Bennett

Justizministerin Ayelet Shaked

Innenminister Arje Deri

Sicherheitsminister Gilad Erdan

Stellvertretende Außenministerin Tzipi Hotovely

Landwirtschaftsminister Uri Ariel

Kultur- und Sportministerin Miri Regev

Infrastrukturminister Vuval Steinitz

Minister für regionale Entwicklung Zachi Hanegbi

Sie alle tragen durch die Unterstützung der andauernden Kolonisierungspolitik Palästinas dazu bei, die Legitimität Israels zu untergraben und das Land weiter in die Isolation zu führen. Die letzte Sicherheitsratsresolution hat dies mehr als deutlich gemacht, bei der sich selbst die USA enthalten haben, was einer Sensation gleichkam. Die UNSC-Resolution 2334 fordert von Israel einen unverzüglichen Baustopp für Siedlungen und bestätigt die Illegalität aller bereits bestehender.  Netanyahu zeigte sich davon unbeeindruckt, wütet gegen die Obama-Regierung und verkündete wie ein verzogenes Kind: Jetzt erst recht!

Das Netanyahu-Israel bewegt sich immer schneller auf den Abgrund zu.

Ein Gedanke zu „Glückwunsch an Christoph Glanz für Platz vier der Top „Antisemiten“!

  1. Christoph Glanz

    Ich weiß, wie es gemeint ist, nämlich humoristisch und ironisch. Das ist jedem und jeder aufgeklärten Zeitgenoss*in klar. Dennoch möchte ich derartige Glückwünsche auch in der ironisch gebrochenen Form nicht annehmen. Der Kampf gegen Rassismus ist eine der entscheidenden Wurzeln der palästinensischen Menschenrechtsbewegung, und dies einer der Hauptgründe, warum ich ihr angehöre. Und eine solche antirassistische Haltung beinhaltet logischerweise den Kampf gegen jeglichen Rassismus, also auch den gegen Juden gerichteten.
    Mein weiterlaufender Gerichtsprozess gegen SPD-Ratsfrau Sara Rihl wird in den nächsten Monaten zeigen, ob es in Deutschland möglich is,t Anti-Rassisten und Anti-Zionisten ohne jeglichen Beleg unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit als „bekannte Antisemiten“ zu bezeichnen – und somit deren Meinungsfreiheit und das Recht diese auszuüben, massiv zu beschränken. Ein Termin vor dem Güterichter ist für den 27. Januar angesetzt.

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